
Hartmetallwerkzeuge sind in vielen Zerspanungsprozessen unverzichtbar – steigende Rohstoffpreise wirken sich direkt auf Kosten und Verfügbarkeit aus.
Seit Jänner 2025: Der Wolframpreis explodiert!
Die Rohstoffpreise für Hartmetall‑Werkstoffe haben sich in den letzten Monaten deutlich verändert und bewegen sich auf einem Niveau, das Hersteller und Anwender vor große Herausforderungen stellt. Besonders im Fokus stehen Wolfram‑Rohstoffe und Kobalt als typisches Bindemetall. Diese Entwicklung beeinflusst nicht nur Einkaufspreise, sondern ganze Fertigungsprozesse, Versorgungssicherheit und Kostenstrukturen in der Metallbearbeitung.
Hartmetall ist der dominierende Schneidstoff in vielen Zerspanungsanwendungen. Wendeschneidplatten, Vollhartmetallwerkzeuge und Sonderlösungen für professionelle Fertigungsprozesse werden nahezu ausschließlich aus diesem Material hergestellt. Technisch besteht Hartmetall überwiegend aus Wolframcarbid (WC), während Kobalt als Bindemittel zum Einsatz kommt.
Beide Rohstoffe werden an den globalen Metall- und Rohstoffmärkten gehandelt und unterliegen sowohl Preis- als auch Verfügbarkeitsrisiken. Steigen die Rohstoffpreise, wie in den vergangenen Monaten, wirkt sich das unmittelbar auf Werkzeugkosten und Lieferfähigkeit aus – sei es durch höhere Einkaufspreise, längere Lieferzeiten oder strengere Beschaffungsbedingungen.
Wolframpreise seit 2025: steiler Aufwärtstrend
Seit Anfang 2025 steigen die Preise für Wolfram deutlich. Ammoniumparatungstat (APT), eine wichtige Vorstufe von Wolfram, wird häufig als Referenzwert für die Preisentwicklung von Wolfram verwendet. Zu Beginn des Jahres 2025 lagen die Preise noch auf einem moderaten Niveau.
Durch eine Kombination aus exportpolitischen Maßnahmen, Angebotsengpässen und steigender globaler Nachfrage kletterten die Preise innerhalb eines Jahres stark nach oben. Handels und Rohstoffanalysen berichten, dass sich Wolfram-Preise 2025 im Jahresverlauf annähernd verdreifacht haben und 2026 noch erheblich steiler ansteigen.
Kobalt
ist neben Wolfram ein weiterer wichtiger Rohstoff in vielen Hartmetallen, dient hier aber meist als Bindemittel. Die Preisentwicklung bei Kobalt zeigt ebenfalls Anstiege, jedoch stabilisiert sie sich mit weniger dramatischen Preisbewegungen im Vergleich zu Wolfram.
Obwohl Kobaltpreisschwankungen zu einem gewissen Teil ebenfalls zu den Beschaffungskosten beitragen, ist es aktuell vor allem Wolfram, das preislich den globalen Rohstoffmarkt für Hartmetallwerkzeuge dominiert.

Ursachen des Preisdrucks bei Wolfram
Die Gründe für die rasante Preisentwicklung sind vielfältig und reichen über reine Nachfrage‑/Angebotsdynamiken hinaus:
1. Dominanz Chinas im Wolfram‑Markt
China ist mit großem Abstand der dominanteste Produzent von Wolframrohstoffen weltweit. Laut Fachmedien stammt der überwiegende Teil der globalen Wolframproduktion aus China, und das Land hat seit 2025 seine Export‑ und Förderpolitik strenger reguliert, was das Angebot für internationale Abnehmer deutlich verknappt hat.
Wirtschaft als Druckmittel: Mitte des Jahres führte China neue Exportkontrollen ein, die für zahlreiche Wolframprodukte staatliche Genehmigungen erforderlich machen. Gleichzeitig sanken die Exportmengen deutlich, was zu einem Angebotsengpass auf den internationalen Märkten führte.
2. Angebotsseite unter Druck
Neben Exportrestriktionen dämpfen reduzierte Förderquoten, strengere Umweltauflagen und sinkende Produktionskapazitäten in einigen Regionen das verfügbare Volumen.
3. Starke Nachfrage aus Industrien wie Verteidigung, Bergbau und Luftfahrt
Ein weiterer struktureller Faktor ist eine steigende Nachfrage aus strategischen Branchen. Wolfram wird in kritischen Anwendungen wie Hochleistungswerkstoffen, Verteidigungstechnologien und Hochtemperaturbauteilen benötigt – Bereiche, in denen die Nachfrage teilweise stark steigt.

Der Preisdruck bei Wolfram entsteht nicht nur durch Nachfrage, sondern vor allem durch geopolitische Abhängigkeiten, Exportrestriktionen und strukturelle Angebotsengpässe.
Handlungsempfehlungen für Anwender
Vor dem Hintergrund der Rohstoffpreisentwicklung sollten Unternehmen der Zerspanungsindustrie folgende Strategien erwägen:
1. Langfristige Beschaffungsplanung
Lieferverträge mit stabilen Konditionen, größere Sicherheitsbestände und frühzeitige Bestellzyklen können helfen, Preisspitzen abzufedern.
2. Recycling als strategischer Baustein
Werkzeugrecycling gewinnt weiter an wirtschaftlicher Bedeutung: Durch Rückführung von Hartmetall Reststoffen lassen sich Rohstoffkosten senken und Versorgungslasten reduzieren.
3. Werkzeugaufbereitung / Nachschleifen
Durch das Nachschleifen von Hartmetallwerkzeugen können Standzeiten verlängert und Rohstoffe mehrfach genutzt werden. Dies reduziert nicht nur den Materialverbrauch, sondern hilft auch, die Kosten pro Bauteil zu senken und die Produktion in Zeiten hoher Rohstoffpreise stabil zu halten.
4. Prozess und Werkzeugoptimierung
Mit einer konsequent anwendungsbezogenen Auslegung von Werkzeugen, Schnittdaten und Bearbeitungsstrategien lassen sich Standzeiten verbessern und Kosten pro Bauteil reduzieren — ein entscheidender Vorteil, wenn Rohstoffpreise hoch sind.

Warum Recycling so wichtig ist!
Recycling von Hartmetallschrott in der EU stärkt die Rohstoffversorgung und reduziert die Abhängigkeit von chinesischen Importen.

Nachhaltigkeit und Unabhängigkeit:
In Zeiten geopolitischer Unsicherheiten, zunehmenden Ressourcennationalismus und volatiler Handelsdynamiken gewinnt eine stabile Rohstoffversorgung in Europa zunehmend an Bedeutung. Im Fall von Wolfram spielt das Recycling von Hartmetallschrott dabei eine zentrale Rolle.
Europa unabhängiger machen: Ceratizit, Teil der österreichischen Plansee Group und einer der größten Wolframlieferanten der westlichen Welt, verarbeitet nach eigenen Angaben rund 91 % recyceltes Wolfram für seine Hartmetallproduktion. Die europäischen Recyclinganlagen befinden sich in Österreich und Finnland. Dort kommt das umweltfreundliche thermische Zinkverfahren zum Einsatz, das eine hohe Materialqualität ermöglicht und gleichzeitig die Abhängigkeit vom chinesischen Rohstoffmarkt reduziert. Es ist daher besonders wichtig, den Hartmetallschrott als Rohstoffquelle in Europa zu behalten und hier auch wiederzuverwerten.
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- Thermische Behandlung von gebrauchtem Hartmetall mit Zink
- Recyceltes Pulver enthält über 99 % des Wolframcarbids in seiner ursprünglichen Form
- Kosteneffizienter im Vergleich zu chemischen Verfahren
- Umweltfreundlich, da keine Nasschemie erforderlich ist
Umweltfreundlich: Recyceltes Wolfram ist deutlich umweltfreundlicher als primär durch Bergbau gewonnenes Material: Rund 75 % geringerer Energiebedarf und etwa 40 % weniger CO₂-Emissionen sprechen eine klare Sprache. Parallel dazu wird kontinuierlich an noch effizienteren und ressourcenschonenderen Recyclingverfahren gearbeitet. Aus diesen Gründen ist das Recycling von Hartmetallschrott in europäischen Anlagen ein zentraler Baustein für die langfristige Ressourcenverfügbarkeit und eine geringere Abhängigkeit von geopolitisch unsicheren außereuropäischen Lieferketten.


